top of page
Bildschirmfoto 2025-03-28 um 10.41_edited.jpg

Weigle Orgel

Wir freuen uns über Gottes Liebe als Grundlage unseres Lebens und leben ein buntes und gemeinsames Miteinander. Hej, das sind wir.

Ende April 2020 findet unsere Restaurierung der Weigle-Orgel in Conweiler ihren Abschluss. Gut vier Monate haben wir mit unserem Team das denkmalgeschützte Instrument komplett zerlegt, gereinigt und überholt. Zusätzlich zu der technischen Arbeit erarbeiteten wir eine Pfeifenrekonstruktion, welcher die Orgel auch in klanglicher Sicht wieder in den Ursprungszustand von 1912 näher brachte.

Für uns sind solche pneumatischen Instrumente kleine Glücksfälle. In Conweiler bildet die Orgel zusammen mit der Innenraumgestaltung ein schlüssiges Ensemble des Jugendstils. Was vielen dieser intensiv ausgestalteten Kirchen nur wenige Jahrzehnte nach deren Bau wiederfuhr, war auch bei den Orgeln Programm: Oftmals war es nicht eine ungünstige Konstruktion oder ein irreparabler Verschleiß, viele Instrumente wichen radikal einen neue Zeitgeist der Sachlichkeit. Auch an der Weigle-Orgel in Conweiler gingen diese Strömungen nicht ganz spurlos vorbei. Von außen fällt es dem unbedarften Betrachter vielleicht gar nicht sofort auf, dass der heutige glänzende Pfeifenprospekt ursprünglich von einem großen expressiven Holzdekor verdeckt war.  Trotzdem war es vielleicht den sparsamen finanziellen Mitteln geschuldet, dass wir das Instrument heute noch so weit unverändert erhalten vorfinden.

 

Eine Besonderheit der pneumatischen Weigle-Orgeln ist das System der Pfeifenansteuerung. Weigle konstruierte seine Ventilsteuerung in einer denkbar einfachen Weise: ein Lederband befindet sich unterhalb der Pfeifen. Eine zweite Windkammer darunter lässt dieses Band als Schaltmembran arbeiten. Es öffnet und verschließt den Pfeifenwind. Dieses System der Membranlade brachte im Vergleich zu anderen konkurrierenden Firmen wesentliche Vorteile: Sehr wenig bewegte Teile, keine Geräusche, wenig Verschleiß. Bedenken wir, dass wir diese Lederdichtungen nach über 100 Jahren des intensiven Gebrauchs nun zum ersten Male gewechselt haben, spricht das für sich selbst. Die Tatsache, dass an diesen Systemen kaum etwas an Funktionen zu beobachten ist, hat ihnen leider auch einen unzuverlässigen Ruf eingebracht, jedoch nur durch mangelndes Wissens. Ich erinnere mich selbst noch an einen meiner ersten Reparatureinsätze an einer solchen Membranlade zu Lehrzeiten. Aus dem Büro mit dem Auftragszettel unterm Arm lief ich einem der Altgesellen über den Weg. Auf seine Frage, wohin es gehe, nannte ich einen Heuler an einer Membranlade. Zuerst klappte die rechte Augenbraue nach oben, dann folgte der launige schwäbische Kommentar: „Aue! – Na, wenn dr Kaschda heuld, isch halt irgendwo a Loch drena, aber des fend‘sch bei denne haufa Breddla ondr de Lada meischdens ned.“ (Etwas feiner übersetzt: Das kann eine Herausforderung sein. Eine Undichtigkeit ist bei den vielen verdeckten Teilen schwer zu lokalisieren…) Das war meine erste eingehende Instruktion zur Membranlade. Gesagt – getan, die ungut beschworene Herausforderung hielt sich zu meiner Erleichterung im Rahmen. Ich war von dem System durchaus angetan, das mutmaßliche unauffindbare Loch erwies sich als ein simpler Schmutzpartikel im Spieltisch.

​

Worüber man heute nach über zwanzig Jahren zu Recht schmunzelt, ist doch etwas Wahres enthalten. Tatsächlich war die Generation, welche mit diesen Systemen auf du und du stand einfach verloren. Mechanische und elektrische Trakturen in Aluminium, Kunstoffen, Elektrik und Plattenwerkstoffen standen als Zäsur im Orgelbau für eine ganze Generation zwischen der Erbauung und Wartung dieser vollpneumatischen Systeme. Es war eine neue Zeit entgegen den großartigen pneumatischen Maschinen angebrochen, das Wissen um den beachtlichen Konstruktionsaufwand und  wirklichen Spezialisten für die Pneumatik war verloren. Der Kommentar zeigt aber auch die hohen Anforderungen an Wissen, welches notwendig ist, mit einem solchen System zu arbeiten. Bei der Membranlade zeigt sich erst nach dem gesamten Zusammenbau, ob alles perfekt funktioniert. Mängel, Undichtigkeiten  oder Störungen kann man nur auf theoretischem Wege lokalisieren. Öffnet man eines der Teile, ist keine Funktion mehr vorhanden und fördert somit jegliche Skepsis.   

Das verlorene Wissen zeigte sich im klanglichen Umgang mit solchen pneumatischen Orgeln, daraus helle und glitzernde Barockinstrumente zu zaubern.  Ein Windladensystem wie in Conweiler ist für einen bestimmten Klang, für bestimmte Arten von Pfeifen mit einem orchestralen Zauber geschaffen. In der geschichtlichen Folge war dann absehbar, dass diese zwar glitzernden aber klanglich nur unzufrieden funktionierenden veränderten Klänge dann auch den technischen Makel einer mutmaßlich schlechten Pneumatik nach sich zogen. 

​

Den Versuch einer klanglichen Umformung nahm man in Conweiler glücklicherweise nur halbherzig in Angriff.  Andere Instrumente erfuhren einen gänzlich herberen Eingriff und landeten dann in nächster Folge in Öfen und auf Schrottplätzen.  Zwei dieser abgesägten Register fanden wir in Teilen auf dem Kirchendachboden und konnten den Bestand wieder zurückführen.

Unsere Restaurierung war nach über hundert Jahren nun der größte Eingriff – ein gutes Zeichen für die Orgel und ihre Erbauer! Alle feinen Lederteile waren nun soweit brüchig, als dass deren Funktionen nicht mehr auf lange Sicht eine Zuverlässigkeit boten. Wir haben diese Teile nun konsequent nach originalen Vorlagen ersetzt. Auch die Belederung der großen Bälge war mürbe und wurde erneuert.

Zusammen mit der Reinigung und einer Nachhaltigkeit der gesamten Orgel stand die Klimafrage innerhalb des Instruments zur Überlegung an. Im geschlossenen Unterbau hatte sich in den Jahren einen leichter Schimmelbefall abgezeichnet. Um einem weiteren Schäden vorzubeugen, hat die Orgel nun über den Emporenboden eine zusätzliche Durchlüftungsmöglichkeit bekommen. Öffnet man die Türen am Untergehäuse, sind die Abdeckgitter im Boden gut zu sehen. Sie dienen einem großflächigen Luftaustausch und schaffen hoffentlich auf die kommenden Jahre ein beständiges Kleinklima für Leder, Filze und Holzbauteile.

​

Der Spieltisch wurde in alle einzelnen Bestandteile zerlegt. Die darin enthaltene Pneumatik schaltet und verwaltet alle Steuersignale, welche in der Orgel an den entsprechen Plätzen Pfeifenklänge abrufen. Darum war auch hier nach über hundert Jahren die notwenige Sorgfalt geboten, kleinste Ventile, Ledermuttern und Drahtführungen soweit zu überholen, als dass deren einwandfreie Funktion im Verborgenen auf Jahrzehnte wieder gewährleistet ist.

​

Ein Großteil der Arbeiten konnte in unserer Werkstatt in Sachsenheim durchgeführt werden. Durch den modularen Aufbau der einzelnen Baugruppen ist es gut möglich, die Bauteile aus- und wieder einzubauen. Nach der gründlichen Arbeit an sämtlichen Funktionsteilen folgte der Wiedereinbau vor Ort. Die Orgel holte zum ersten Male wieder Luft, das System konnte seine Zuverlässigkeit beim neuen Einregulieren beweisen. Unterstützt wurde dieses ‚luftholen‘ durch den Einbau eines größeren Orgelmotors. Er versorgt das romantische Pfeifenwerk mit einem ruhigeren Wind, als dies der zuvor eingebaute kleinere Motor ermöglichte.  

Den sprichwörtlichen Schlussakkord setzte eine gründliche Nachintonation vor Ort. Alle historischen Pfeifen, aber auch die rückgeführten bzw. restaurierten Streicher- und Flötenpfeifen wurden an ihrem Platz wieder sorgfältig nachintoniert. Auch dabei wurde der ein oder andere Handgriff rückgängig gemacht, die Orgel heller und klanglich glänzender zu bekommen. Die klangliche Sprache der weigle’schen Pfeifen sind ein unverkennbares Merkmal an Farbe, aber auch der Zurückhaltung. Diesen feinen Grat der unterschiedlichen Abstufungen konnten wir wieder herausarbeiten.

​

Ein wenig ist die Orgel noch gewachsen. Der Eingriff erfolgte aber an einer Stelle, wo auch Weigle evtl. eine solche Lösung bedacht hätte. Eine zusätzliche Octavkoppel im Hauptwerk sorgt nun für eine noch größere Vielfalt der diszipliniert durchdachten Disposition.

 

Für uns war es eine Freude, diese Orgel bearbeiten zu dürfen. Heute stehen für uns der pneumatische und der mechanische Orgelbau stilistisch gleichwertig Seite an Seite, da sind ab und an diese Restaurierungen solcher Instrumente der Spätromantik ein willkommener Impuls!    

 

Markus Lenter, Sachsenheim 2020.

Weltkulturerbe - unsere Weigle - Orgel in Conweiler

Bautagebuch von der Orgelsanierung

In diesem Dokument können Sie die Orgelsanierung verfolgen.

Restaurierung der Weigle-Orgel in Conweiler
Kontakt

Evangelische Kirchengemeinde Straubenhardt Mitte

​

Pfarramt Conweiler                       

Pfarrer David Gerlach                   

Allmendstraße 10                             
75334 Straubenhardt      

​

Bürozeiten des Gemeindebüros: Jeweils Di., Do. (Feldrennach) und Fr. von 9.00 bis 11.00 Uhr        

​

Telefon: 07082 2531 Fax: 07082 413990                              

Email: gemeindebuero.straubenhardt-mitte@elkw.de

​

Pfarramt Feldrennach

Pfarrer Matthias Gerlach

Ottenhäuser Str. 6

75334 Straubenhardt

​

Telefon: 07082 2306  Fax: 07082 940437

Email: gemeindebuero.straubenhardt-mitte@elkw.de

​

Spendenkonto:
Evangelische Kirchengemeinde Straubenhardt Mitte,

IBAN DE53666500850000989711

© 2025 von Evangelische Kirchengemeinde Straubenhardt Mitte.

bottom of page